Warum 8th Wall gescheitert ist
8th Wall galt lange als der Goldstandard für Web-AR. Kein App-Download, einfach Browser öffnen , Link klicken – und plötzlich stehen 3D-Objekte im Raum. Technisch beeindruckend. Wirtschaftlich offenbar schwieriger. Die Plattform ist inzwischen dicht, und der Code wurde als Open Source veröffentlicht. Dahinter steckt mehr als nur ein Plattform-Shutdown. Es sagt einiges über den aktuellen XR-Markt aus.
Lange Zeit war 8th Wall die erste Wahl für Web-AR-Kampagnen. Die Plattform konnte Dinge im Browser, die früher nur mit nativen Apps möglich waren. Für Marken war das attraktiv: AR ohne App-Download, direkt über einen Link.
Das Problem lag weniger in der Technik als im Modell dahinter.
8th Wall war teuer. Wer die Plattform nutzen wollte, zahlte Lizenzgebühren (als Business-Kunde deutlich fünfstellig). Gleichzeitig brauchte man fast immer noch XR-Developer, um daraus überhaupt eine wirklich gute Experience zu bauen. Für Kunden bedeutete das schnell doppelte Kosten: Plattformlizenz plus Entwicklerbudget.
Und genau hier wurde es kompliziert. Denn wenn ohnehin ein XR-Developer im Projekt sitzt, stellt sich irgendwann die Frage: Braucht man die Plattform überhaupt? Gute Entwickler können viele dieser Dinge auch direkt mit Web-Technologien umsetzen. Die Engine nimmt zwar Arbeit ab, aber sie ersetzt keine Erfahrung in 3D, WebGL oder Interaction Design.
Ich persönlich habe 8th Wall deshalb nie gebraucht. Mit einem Framework wie A-Frame – auf dem 8th Wall basiert – kann ich viele Dinge sogar flexibler umsetzen als mit den Standard-Tools der Plattform. Außerdem gibt es mittlerweile bessere Tools, zum Beispiel BabylonJS.
Parallel versucht der Markt seit einiger Zeit, AR über No-Code-Tools zugänglicher zu machen. Das funktioniert für einfache Kampagnen ganz gut. Aber diese Tools erzeugen meistens nur Standard-Experiences. Filter, kleine Effekte, einfache 3D-Objekte.
Die wirklich spannenden XR-Erlebnisse entstehen immer noch dann, wenn Entwickler tief in die Technologie eingreifen können. Und genau in dieser Lücke steckte 8th Wall fest: zu technisch für No-Code-User, zu teuer für viele Entwickler-Workflows.
Jetzt lebt die Technologie als Open Source weiter. XR-Developer können sie kostenlos nutzen, anpassen und weiterentwickeln. Der Plattform-Layer ist verschwunden – aber die Technik bleibt. Vielleicht ist das am Ende sogar die ehrlichere Version von Web-AR.