Wenn die Werkhalle plötzlich virtuell wird

XR und KI

Was passiert, wenn Sicherheitsunterweisung nicht mehr nach PowerPoint riecht, sondern nach echter Erfahrung? Genau dann wird XR plötzlich verdammt ernst.

Ich beobachte das Thema XR-Training schon länger – und was gerade im industriellen Umfeld passiert, fühlt sich nicht mehr nach Pilotprojekt an, sondern nach Skalierung mit Ansage. Große Unternehmen setzen Virtual- und Mixed-Reality-Trainings inzwischen nicht mehr als nettes Innovations-Gimmick ein, sondern als messbares Produktivitätswerkzeug. Und das ist ein Unterschied wie zwischen Probefahrt und Serienproduktion.

Berichte von XR Today zeigen: Unternehmen in Fertigung, Energie und Logistik nutzen immersive Trainingsprogramme, um neue Mitarbeitende schneller einzuarbeiten, Fehlerquoten zu senken und Sicherheitsrisiken zu reduzieren. Statt eine Maschine nur auf dem Papier zu verstehen, stehst du plötzlich mittendrin – kannst sie auseinandernehmen, Fehler simulieren, Notfälle durchspielen. Und wenn du etwas falsch machst? Passiert… nichts. Außer einem Lerneffekt.

Das Entscheidende ist nicht die Brille auf dem Kopf. Es ist der ROI dahinter. Firmen berichten von deutlich verkürzten Trainingszeiten und weniger Ausfallzeiten in der Produktion. Wenn ein Techniker nicht mehr quer durchs Land reisen muss, um an einer Schulung teilzunehmen, sondern das Training in einer virtuellen Umgebung durchläuft, spart das bares Geld. Reisekosten runter, Stillstand runter, Risiko runter. Klingt trocken – ist aber strategisch explosiv.

Ich finde besonders spannend, dass XR hier leise erwachsen wird. Während draußen noch darüber diskutiert wird, ob das Metaverse „tot“ ist, laufen in Werkhallen längst immersive Trainingsprogramme im Dauerbetrieb. Laut Analysen von AR Insider verschiebt sich der XR-Markt zunehmend in Richtung Enterprise, weil dort die Zahlungsbereitschaft und der messbare Nutzen klarer sind als im Consumer-Bereich. Heißt übersetzt: Wenn XR Geld spart oder verdient, ist die Skepsis plötzlich erstaunlich klein.

Natürlich ist nicht alles Gold. Hardware muss robust sein, Inhalte müssen realistisch modelliert werden, und ohne saubere Integration in bestehende IT-Systeme wird’s schnell kompliziert. Aber genau hier passiert gerade der Qualitätssprung. XR-Training wird nicht mehr als isolierte App gedacht, sondern als Teil der digitalen Infrastruktur eines Unternehmens.

Meine Meinung? Das hier ist einer der unterschätztesten Hebel für Spatial Computing. Nicht das virtuelle Konzert, nicht der nächste VR-Shooter – sondern die Wartung einer Turbine, die niemanden umbringt, weil jemand vorher in einer Simulation üben konnte. Das ist weniger sexy, aber verdammt relevant.

Und wenn wir ehrlich sind: Wenn Mitarbeitende in Zukunft ganz selbstverständlich mit Headset eingearbeitet werden, wird niemand mehr fragen, ob XR „die Zukunft“ ist. Es ist dann einfach Werkzeug. So normal wie ein Laptop.

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